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Bauhistorische
Untersuchung des Schmarotzerhauses
Baubeschreibung
Der Stadtgrundriss Mendens ist geprägt von
großen Parzellen im Bereich um die Kirche herum sowie sehr
kleinen Parzellen an den Rändern der Altstadt, im Bereich der
Stadtmauer.
Diese von Kleinhandwerkern und Tagelöhnern genutzten Parzellen
reichten zwar bis an die innere Erschließung der Stadtmauer
heran, ließen aber den Bereich zwischen der Straße und
der Mauer frei.
Noch 1743 wurde vom Rat das Bebauen dieses Areals verboten, da die
freie Zugänglichkeit der Mauer, die noch immer zu
Verteidigungszwecken genutzt wurde, stets gewährleistet sein
musste. Bisher ging man davon aus, dass erst seit der Mitte des 18.
Jahrhunderts auch im direkten Anschluss an die Stadtmauer
Häuser errichtet wurden, die die Mauer als Rückwand
nutzten. Da die Stadtmauer in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts ihren fortifikatorischen Sinn verlor, wurde sie in der
Folgezeit zunächst allmählich, seit dem frühen 19.
Jahrhundert aufgrund der wachsenden Arbeiterschicht, die in der
Eisenindustrie des Märkischen Sauerlandes ihr Auskommen fand,
nahezu vollständig mit kleinen, schmalen Häusern
überbaut.
Das zweigeschossige, stockwerkweise verzimmerte Fachwerkhaus An der
Stadtmauer 5 gehört zu den ältesten der
Stadtmauerhäuser. Schon um 1710 - trotz des Verbotes durch den
Maigstrat - errichtet, zeigt es sich bis heute in einem nur wenig
veränderten Zustand und dokumentiert das Lebensumfeld der
unteren Bevölkerungsschichten.
Das in jedem Stockwerk zu drei Räumen gegliederte schmale Haus
diente wohl von Anfang an nur zu Wohnzwecken. Lediglich die Diele
und die beiden seitlichen Räume im Erdgeschoss waren voll
nutzbar.
Das Obergeschoss mit seiner geringen Deckenhöhe war
ausschließlich Lagerzwecken und Schlafkammern vorbehalten.
Immer von Mitgliedern der unteren Bevölkerungsschichten
bewohnt, wurde es bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts kaum
verändert. Da das Gebäude inzwischen seit einem halben
Jahrhundert leersteht, konnte es in Raumzuschnitt und Ausstattung
fast unverändert auf uns kommen.
Es konnten sowohl an der Südfassade, als auch im Inneren des
Hauses eine Vielzahl unterschiedlicher Farbschichten festgestellt
werden. Zur Bauzeit wurde das Haus verputzt und weiß
gestrichen. Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Einbau der neuen
Fenster und der teilweisen Aufbringung eines neuen Putzes, erhielt
es einen ockerfarbenen Anstrich, der im Kontrast zu den
dunkelgrünen Fenstern und der ebenso gefassten Haustür
stand. Die Innenräume zeigen eine stark differierende Anzahl
alter Farbschichten. So waren die Räume im Erdgeschoss
spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert mit einfachen
Papiertapeten versehen.
Die Diele war ursprünglich grau gefasst, die beiden seitlichen
Räume beige beziehungsweise ocker gestrichen. Da beide
Räume jedoch nur über wenige Anstrichschichten
verfügen, ist es nicht möglich diese ersten Fassungen in
die Bauzeit des Hauses zu datieren. Sie können eventuell auch
erst im 19. Jahrhundert aufgebracht worden sein. Den Charakter der
oberen Räume als Lager und Schlafräume unterstreicht auch
die einfache Farbfassung in allen Räumen. Unter den Tapeten
fanden sich lediglich wenige Schichten weißer und grauer
Tünche. Der mittlere Raum 1.03 ist bis heute lediglich mit
einer Kalktünche versehen, die im frühen 20. Jahrhundert
mit einer rotbraunen Rollmalerei aufgewertet wurde.
Insgesamt zeigt sich das wenig veränderte Gebäude in
einem sehr schlichten Ausbauzustand. Es wurde um 1710 aus alten
Hölzern anderer Gebäude errichtet und direkt verputzt.
Lediglich die Deckenbalken und die Hölzer im Dach wurden neu
verbaut.
Im Inneren waren die Räume nur mit einer einfachen
Kalktünche versehen und über steile Stiegen miteinander
verbunden. Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20.
Jahrhundert erfuhr das Gebäude eine Modernisierung. Die Fenster wurden erneuert, die Böden teilweise erneuert,
eine Treppe zum Obergeschoss eingebaut und nahezu alle Räume
mit Tapeten und Öfen versehen. In diesem Zustand ist das Haus
bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben.
Auszeichnungen
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