vom
16.11.2010
Wolfgang Clement spricht in Menden
Klartext
150 Gäste bei
Veranstaltung der Mendener Stiftung Denkmal und
Kultur
Menden. Er ist ein Mann der klaren
Worte: Wolfgang Clement machte sich in Menden
für eine Reduzierung der Anzahl der
Bundesländer und längere Laufzeiten von
deutschen Atomkraftwerken stark.
Wolfgang Clement.
Wolfgang Clement präsentierte sich bei der
Veranstaltung der Mendener Stiftung Denkmal und
Kultur als Mensch und nicht als Politiker. Er
zeigte in einem spannenden Vortrag, der etwa eine
Stunde dauerte, was ihn bewegt und warum er sich
für bestimmte Ziele einsetzt. Dazu gehört eine
deutliche Reduzierung der Anzahl der Bundesländer
um fünf bis sechs. Nachdem eine Fusion von Berlin
und Brandenburg gescheitert ist, hofft Clement
nun, dass Hamburg und Schleswig-Holstein
verschmelzen. "Viele Länder sind heute doch gar
nicht in der Lage, ein Bildungssystem zu
organisieren", so Clement. Das Thema Bildung
rückte der ehemalige "Superminister" nach vorn –
und ist sich in vielen Punkten mit Thilo Sarrazin
einig, der am Donnerstag auf der Wilhelmshöhe
sprach. Anders als der ehemalige Berliner
Finanzsenator Berlins (Clement: "einer der besten
Finanzexperten in diesem Land) griff Clement das
Thema weniger theoretisch auf. Dennoch weiß auch
Clement, dass Bildung die Zukunft Deutschlands
bestimmen wird.
Als "absurd" bezeichnete Clement Diskussionen,
ob die Rente mit 67 Jahren zurückgenommen
werden solle. Allein die demografische
Entwicklung spreche gegen solche Ideen, so
Clement. Stattdessen schlug er vor, das
Renteneintrittsalter dynamisch anzupassen – mit
der Folge, dass es etwa im Jahr 2050 bei 69
Jahren läge.
Nach seinem Vortrag diskutierte Wolfgang
Clement (links) auf dem Podium mit dem
Vorsitzenden der Mendener Stiftung Denkmal und
Kultur, Peter Hoppe. ■ Foto: Becker
Das Sozialsystem müsse insgesamt reformiert
werden. Es laufe "reparierend hinter den Leuten
her" statt Probleme im Vorfeld zu verhindern.
Clement warb für mehr Bürgerbeteiligung, sprach
sich aber auch für "Stuttgart 21" aus.
Verständnis hat der ehemalige Ministerpräsident
Nordrhein-Westfalens für die Menschen, die sich
gegen Atommülltransporte nach Gorleben
einsetzen. Der Mann, der Mitglied im
Aufsichtsrat bei RWE ist, erklärte aber auch,
dass es auf absehbare zeit nicht ohne Atomstrom
gehe. "Ich bin für regenerative Energien, aber
diese Energie muss auch speicherbar sein", so
Clement. Er fürchte wirtschaftliche Folgen wie
das Abwandern der Stahl- und in der Folge auch
der Automobilindustrie aus Deutschland. "Und
die Atomkraftwerke stehen ohnehin schon, der
Atommüll ist also da."
Clement präsentierte sich volksnah, humorvoll,
aber auch kompetent und beantwortete nicht nur
die Fragen von Peter Hoppe, dem Vorsitzenden
der Mendener Stiftung Denkmal und Kultur. Auch
mit dem Publikum diskutierte Clement, dem Hoppe
für sein kostenfreies Engagement dankte. Hoppe
kündigte an, eine Spende an die Lupus-Stiftung
abzuführen, in der sich Clements Frau
engagiert. Zugleich war er begeistert, dass die
Organisation gemeinsam mit dem Buchhändler
Andreas Wallentin so gut geklappt hatte.
Text: Dirk Becker - Hellweger Anzeiger
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